VW Autoeuropa Palmela/Portugal: Kampf gegen die Wochenendarbeit und Flexibilisierung geht in die nächste Runde

Internationale Automobilarbeiter-Koordination 13. Dezember 2017 Am 30. August setzten die VW-Arbeiter in Palmela (bei Lissabon) mit ihrem 24-stündigen Streik ein eindeutiges Zeichen gegen die geplante Einführung einer regulären Samstagsarbeit. Das erhielt nicht nur bei VW große Beachtung und Respekt. Zuvor war das Betriebskomitee (Betriebsrat) zurück getreten. 74% der Belegschaft hatten in einer Urabstimmung gegen die verbindliche Samstagsarbeit mit Nein votiert.

Am 3. Oktober erhielten bei der Neuwahl des Betriebskomitees die Listen, welche die Flexibilisierung und die Einführung von regulärer Samstagsarbeit ablehnten, die unübersehbare Mehrheit.

Eine Zuschrift aus Portugal an die Internationale Automobilarbeiterkoordination informiert aktuell über den erneuten Versuch die Arbeitszeiten bei Autoeuropa verpflichtend aufs ganze Wochenende auszuweiten.

Das neu gewählte Betriebskomitee bei Autoeuropa schloss einstimmig am 20. November eine Vereinbarung über eine neues Arbeitszeitmodell ab. Ab 20. August 2018 soll ein Drei-Schichtbetrieb als „laboracao continua“ (ununterbrochene Produktion an 24 Stunden am Tag und 7 Tagen in der Woche eingeführt werden. Es gibt dabei zwei aufeinander folgende freie Tage im Anschluss an 5 Arbeitstage Anwesenheit im Betrieb inklusive Samstag und Sonntag, Bis zur Einführung gilt das bestehende Schichtmodell von Montag bis Freitag und Bezahlung des Samstag als Überstunden.

Als das Betriebskomitee auf drei Belegschaftsversammlung das neue Arbeitszeitmodell am 23. November vorstellte, gab es heftigste Kritik von den Arbeitern. Am 29. November lehnten bei einer zweiten Urabstimmung 63,2% (3145 Arbeiter) das neue Modell ab. Nur 35,1% (1749) stimmten zu. Zuvor hatte der neu gewählte Betriebskomiteevorsitzende Fernando Goncalves die angeblichen Vorzüge des neuen Arbeitszeitmodells der Belegschaft angepriesen. Die Zuschrift aus Portugal kommentiert dies mit „Man weiß nicht, was das soll.“

Wie diese Kehrtwende aller Mitglieder des Betriebskomitees zu erklären ist, blieb uns bisher noch verschlossen. Doch bei breiter Ablehnung des neuen Arbeitszeitmodells und weiterem Kampfwillen in der Belegschaft stellt sich die Frage nach dem wie weiter. Das neu gewählte Betriebskomitee wurde zum Verräter der Arbeiterinteressen. Wie kommt die Belegschaft damit und den neuen Angriffen zurecht?

Desto mehr stellt sich jetzt die Notwendigkeit der internationalen Solidarität im Kampf gegen die verbindliche Wochenendarbeit und Flexibilisierung der Arbeitszeit. Gerade jetzt ist der Schulterschluss aller Automobilarbeiter, insbesondere aber bei VW, mit den Kollegen in Palmela von großer Bedeutung. Sie stehen im Kampf gegen die Flexibilisierung und Ausweitung der Arbeitszeiten nicht allein. VW hat nach den Urabstimmungen eine zweite Niederlage einstecken müssen. Es darf auch keinen weiteren Durchbruch bei der Flexibilisierung der Arbeitszeiten in anderen VW-Werken geben. Zudem, jedem Erpressungsversuch und dem Ausspielen der Belegschaften der verschiedenen Standorte muss eine klare Absage erteilt werden. Nutzen wir die Chance zum weiteren Aufbau und zur Stärkung der internationale Automobilarbeiter-Koordination.

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