Infobrief Nr. 5: Kommt zum bundesweiten Delegiertentreffen am 27. Oktober 2018

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir laden euch ein zu unserem jährlichen bundesweiten Delegiertentreffen der Automobilarbeiterkoordination, das wir für den 27. Oktober in Rüsselsheim organisieren. Unser letztes Treffen war im Dezember 2017, es wird allerhöchste Zeit, dass wir uns wieder treffen, um die Internationale Automobilarbeiterkoordination voran zu bringen und vor allem die 2. Internationale Automobilarbeiterkonferenz in Südafrika im Februar 2020 vorzubereiten.

 

73c6bde9-e4e3-42a2-ad42-57c0960cd0ba.jpeg2018 haben die Automobilarbeiter einige Erfolge erzielt. Die kriminellen Machenschaften des Autokartells mit dem Abgasskandal kommen immer mehr ans Tageslicht. Kräfte der Internationalen Automobilarbeiterkoordination haben von Anfang an (seit Herbst 2015) die kriminellen Machenschaften zusammen mit der Regierung angegriffen und Forderungen gegen das Abwälzen der Krisenlasten auf Beschäftigte, Verbraucher und die Umwelt aufgestellt. Unsere Aktionen und die Parole "Knast statt Boni" hatte Wirkung. Kämpferische Kollegen, die von Autokonzernen deshalb angegriffen wurden, haben mit der Kraft der Solidarität auf ganzer Linie gesiegt, so Siggi Herrlinger gegen die Kündigungen von Porsche und Andreas Gärtner gegen die Abmahnungen von VW, Christian Krowoll gegen Opel. Mit der Buttonserie zur 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich, dem Aufruf zum 1. Mai, und der Positionierung gegen faschistische Betriebsratslisten, wie "Zentrum" haben wir die kämpferische Richtung in der IG Metall gestärkt. Wir haben den Aufbau der Internationalen Automobilarbeiterkoordination vorangebracht mit Solidaritätserklärungen zu Kämpfen der Automobilarbeiter in Brasilien, Portugal, China, Frankreich, Italien, Russland, Tschechien, Indien, ... Wichtig sind die Kontakte von Belegschaftsvertreter wie Opel-Kollegen zu PSA in Frankreich oder Ford-Kollegen aus Frankreich waren bei Ford in Köln.

Als Automobilarbeiter genügt es nicht mehr, sich auf die Fragen innerhalb der Automobilkonzerne zu beschränken, der Kampf der Arbeiter um das Streikrecht (war es nicht mehr gegen Leiharbeit – dieser Gerichtsentscheid?) in Südafrika, die Unterdrückung der Arbeiter in China, in Indien, in der Türkei, das sind elementare Fragen der Arbeiterbewegung, wo wir gefordert sind gegen Chauvinismus, Rassismus, Faschisierung. Auch die weltweite Tendenz zur Kriegsvorbereitung erfordert die Automobilarbeiter in Stellung zu bringen. In den letzten Monaten hat sich die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland weiter polarisiert. Die neue CDU/CSU/SPD-Regierung hat eine wirkliche Rechtsentwicklung vorangetrieben, mit Polizeigesetzen, Militarisierung und Faschisierung des Staatsapparats, einer ultrareaktionären Flüchtlingspolitik. Sie verbreitet gezielt Spaltung, Rassismus, bis hin zu Sozialchauvinismus („deutsche Belange zuerst“). Der Konkurrenzkampf von alten und neuen imperialistischen Ländern um Beherrschung des Weltmarkts und Einflusssphären verschärft sich rasant, mit gegenseitigen Marktbeschränkungen/Strafzöllen und verschärfter Aggression nach innen und außen, u.a. mit Aufrüstung und militärischer Neuausrichtung von USA, Russland, China, EU. Dies erhöht die Kriegsgefahr. Die drohende Umweltkatastrophe zeigt sich diesen Sommer deutlich. Das Roll-back in der Klimapolitik von Regierungen weltweit, auch in der Verkehrspolitik spitzt diese Entwicklung zu. Um im verschärften Konkurrenzkampf der Monopole vorne dran zu sein, führen sie vermehrt Angriffe auf die Arbeiter (Arbeitspaltzvernichtung bei VW, Rauswurf von Befristeten und Leiharbeitern, Drohungen bei Opel Abteilungen oder Werke zu schließen/verkaufen, Zwangs-Freischichten wegen WLTP). Die heile Welt der „VW-Familie“ oder ähnliches in anderen Betrieben ist bei den Kollegen immer mehr unten durch. Mit all diesen Fragen beschäftigen sich die Kollegen und es wirkt die Polarisierung. Statt die Arbeiter international zusammenzuschließen trägt die Führung der IG Metall und Betriebsrats-Spitzen im wesentlichen die Regierungspolitik mit und unterstützern teilweise den Sozialchauvinismus der Konzerne („es geht nur um den Standort“, Audi HN: „wir werden die Nummer 1 unter den Premiumanbietern"“, Bosch: „gemeinsam Diesel-bashing abwehren“...).

In 2018 hat sich die gesellschaftliche Polarisierung verstärkt, und darin ist neben der reaktionären Entwicklung vor allem die fortschrittliche Seite gewachsen. Es gab mehr Protstdemonstrationen und Aktionen als 2017, neben gewerkschaftlichen Kämpfen vor allem um demokratische Rechte, antifaschistische Demos und zur Wohn/Mietsituation. Beeindruckend war das Konzert mit 65 000 in Chemnitz "#wirsindmehr", bis hin zu den großen Demos gegen die neuen Polizeigesetze. Bezeichnend war, dass sich Delegationen aus Betrieben beteiligt hatten. Die Arbeiter müssen sich an die Spitze der Bewegung gegen die Rechtsentwicklung stellen, damit sie eine Schlagkraft erhält gegen die Regierung. Gegen Spaltung, Rassismus, Sozialchauvinismus setzen wir die Internationale Solidarität. Das ist die Stärke der Arbeiterbewegung. Das geht nur organisiert und als Bündnis mit allen Kräften, die sich gegen diese Rechtsentwicklung stellen wollen. Genau dies ist das Bestreben des Internationalistischen Bündnis, für das wir schon im Dezember 2017 geworben haben. Einige von uns waren im April auf der „Arbeiterplattform“ des Internationalistischen Bündnis mit 90 Teilnehmern aus 25 Betrieben. Dort haben wir die Internationale Automobilarbeiterkonferenz als Internationalen Zusammenschluss vorgestellt. Die Arbeiterplattform hat beschlossen eine Unterschriftenliste zu entwickeln für die Unterstützung und Mitarbeit auf der Arbeiterplattform. Nun ist unsere Bewegung der Internationalen Automobilarbeiterkoordination nichts Getrenntes, sondern wir wollen zusammen arbeiten und unserer Kräfte bündeln. Deshalb wurde inzwischen eine Unterschriftenliste zum Mitmachen entwickelt, für die mit einem ähnlichen Wortlaut entweder die Unterstützung der Arbeiterplattform oder die Internationalen Automobilarbeiterkoordination bewirbt. Als Koordinierungsgruppe unterstützen wir dies und machen einen Vorschlag für die Formulierung. Die Unterschriftenliste kann von den einzelnen Orten auch durch spezifische Angaben ergänzt werden, zB von den Sindelfinger IAWC-Freunden.

Am 1. Mai war eine Delegation aus Deutschland in Südkorea und ein Fordarbeiter konnte unsere Solidaritätsadresse vortragen. Der Kontakt zu dem Arbeiter von Ssangyong, der 2012 auf dem Automobilarbeiterratschlag in München war - jeder erinnert sich an den beeindruckenden und bewegenden Besuch - konnte wieder hergestellt werden. 30 Arbeiter sind seither infolge der Repression gestorben. Die Arbeiter kämpfen bis heute organisiert für Wiedereinstellung aller Arbeiter und Entschädigung der Familien. Dies ist der fortgeschrittenste Kampf von Automobilarbeitern und von weltweiter Bedeutung. Während des Besuchs entwickelte sich der Gedanke eines Solidaritätspakts mit den südkoreanischen Arbeitern von Ssangyong. Dafür ist eine Solidaritätswoche geplant, die wir nutzen wollen für die 2. IAWC (International Automotiv Workers' Conference) zu werben. Auf eine konkrete Antwort der südkoreanischen Arbeiter warten wir noch.

Die Durchführung der 2. IAWC in einem aufstrebenden neuen imperialistischen Land, zum ersten Mal für uns außerhalb Deutschlands, ist eine Herausforderung und Chance. In Südafrika hat sich ein Vorbereitungskomitee gegründet. Die Aktivisten haben sich an die Gewerkschaft NUMSA um Mitarbeit und Unterstützung gewendet. Das gibt die Möglichkeit, Massen zur 2. IAWC zu mobilisieren. Dennoch sind es bisher wenige Kräfte in Südafrika (im Vergleich zu Deutschland) und sie haben Unterstützung angefordert. Partnerschaften von Orten hier zu südafrikanischen Automobilarbeitern von Daimler, VW, GM, Ford, BMW, Toyota, Conti müssen mit aufgebaut werden. Viele "Brigadisten" vor der Konferenz werden notwendig sein. Der erste Urlaub von uns ist schon geplant. Im Dezember 2018 soll das nächste ICOG (Internationale Koordinierungsgruppe)-Treffen stattfinden, wo die Vorbereitung festgezurrt werden soll. Mit der 2. IAWC wollen wir eine neuen Qualität der internationalen Koordinierung erreichen durch die Erweiterung im Kampf gegen die Rechtsentwicklung in allen imperialistischen Ländern, Verabschiedung eines Kampfprogramm als zentrales Dokument, und Gewinnung neuer Kräfte, vor allem aus asiatischen Autowerken. Wenn wir überlegen, dass wir neue und mehr Kräfte gewinnen wollen, dann bedeutet das, dass diese im Sommer 2019 ihre Visa beantragen müssen und ihre Flüge buchen. Bis dorthin müssen sie gewonnen und die Finanzierung abgesichert sein. Das sind gerade mal 9 Monate. Da sind wir stark im Nachtrab. Es gibt inzwischen einen Power-Point-Vortrag zur Vorbereitung der 2. IAWC in Südafrika, machen wir in jedem Ort noch in 2018 dazu eine Mobilisierungsveranstaltung. Wir brauchen einen Schub für die Vorbereitung der 2. IAWC. Lasst uns kritisch-selbstkritsch diskutieren auf dem bundesweiten Delegiertentreffen, wie wir das erreichen können.

Wir schlagen vor, dass es ein ordentliches Delegiertentreffen der IAWC-Gruppen ist - die Beschlüsse hierzu von 2015 gelten (Delegiertenwahl... findet ihr im Anhang). KollegInnen aus Orten, in denen im Moment keine IAWC-Gruppen aktiv sind, die dennoch als Aktivisten der Automobilarbeiter wirken, sind herzlich eingeladen (mit Rederecht, ohne Stimmrecht). Aber noch besser, nehmt dies zum Anlass euch zu treffen und die Internationale Automobilarbeiterkoordination auf eine breitere Basis zu stellen. Es wird ein Treffen von Opel/PSA-Arbeitern am folgenden Tag stattfinden. Deren Teilnehmer sind herzlich eingeladen. Um die internationale Verbrüderung zu fördern, machen wir am Abend eine Solidaritätsfest und werden auch Südafrika näher bekannt machen.

Vorschlag Ablauf: 11 – 17.00 Uhr (Nähe Rüsselsheim - den genauen Ort werden wir euch noch mitteilen).:

1) Einleitungsbeitrag zur internationalen Entwicklung und der internationalen Koordinierung von Kämpfen. Diskussion darüber mit Erfahrungen und Beschlüssen zu Aktivitäten

2) Aufgabe der 2. IAWC in Südafrika

3) Beschlüsse für Vorbereitungsprozess in Deutschland

4) Sonstiges mit Finanzen, Homepage, Solidaritätsresolutionen

Ab 18.30 Uhr: Solidaritätsfest

Vorlagen zu einzelnen TOPs werden wir noch vorher versenden

 

Wir wünschen viel Erfolg in der Vorbereitung des bundesweiten Delegiertentreffens und verbleiben mit kämpferischen Grüßen

Sprechergruppe der Koordinierungsgruppe in Deutschland der Internationalen Automobilarbeiterkoordination

 

Deutsche Koordinierungsgruppe (KOG) der

INTERNATIONALEN

AUTOMOBILARBEITERKOORDINATION