Kämpferischer und kulturvoller erster Tag der 3. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz

Ein Korrespondent berichtet: Am Donnerstag war ist unsere Konferenz erfolgreich und feierlich gestartet! Trotz einiger Herausforderungen haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Welt einen kämpferischen Auftakt hingelegt.

Ein Korrespondent berichtet:

Am Donnerstag war ist unsere Konferenz erfolgreich und feierlich gestartet! Trotz einiger Herausforderungen haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Welt einen kämpferischen Auftakt hingelegt.

Hier findet ihr den ersten Bericht.

Am ersten Konferenztag haben wir die Länderberichte von Südafrika, Nepal, China, Marokko, Iran und natürlich von unserem Gastgeberland Indien gehört. Wir wollen hier einen Einblick geben, was die jeweiligen Delegationen berichtet haben. Die Berichte von China, Marokko und Iran wurden stellvertretend gehalten, weil sie nicht anreisen konnten.

Die Delegation aus Südafrika berichtete von der Privatisierung großer Unternehmen und der Verlagerung ganzer Betriebe, was noch schlechtere Arbeitsbedingungen und massiven Arbeitsplatzabbau zur Folge habe. Ende 2023 gab es Massenaktionen von Gewerkschaften, Arbeitern und ihren Familien gegen die Abwälzung von Covid-19-, Kriegs- und Umweltlasten. Sie bezeichneten unsere Konferenz als historisch. Ein besonderes Anliegen ist ihnen, dass es eine klare Zusammenarbeit mit der United Front gegen Faschismus, Krieg und Umweltzerstörung gibt. Auch die Solidarität mit Gaza und die IAC gehörten zusammen. Weltweit gebe es eine Welle von Faschismus und Rassismus und die Verbindung zwischen Elon Musk und Donald Trump wurde gezogen.

Nepal bezeichnete die Konferenz als historischen Moment gegen den Imperialismus und dass sie gegen jede Art von Imperialismus und Völkermord stehen müsse. Sie zogen die Verbindung zu Indien, weil es bei ihnen keine eigenständige Autoindustrie gebe, sondern Indien großen Einfluss hätte. Sie berichteten besonders von der Förderung der Fachkräfte mit Ausbildungen und einem Studiengang in Automobiltechnik. Es gebe aber nur begrenzte Verbesserungen im Automobilsektor. Niedrige Löhne, schlechte Gesundheitsfürsorge, Wohnungsprobleme und vieles mehr seien an der Tagesordnung, was auch die Abwanderung der Fachkräfte zur Folge habe. Sie sagten ihr uneingeschränktes Engagement für die IAC zu, dass sie die Ideen, Beschlüsse und Vorschläge der IAC unterstützen wollen.

Zu China wurde besonders von den hohen Wochenarbeitszeiten berichtet. Dort wäre das 9-9-6-Modell verbreitet: von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends, 6 Tage die Woche arbeiten. Viele Arbeiter seien gestorben wegen der hohen Arbeitsbelastungen. Seit der Corona-Pandemie haben die Arbeitskämpfe spürbar zugenommen, aber es gibt praktisch keine unabhängige Vertretung der Arbeiter dort. Viele Chinesen wollen in Deutschland arbeiten in der Hoffnung auf bessere Arbeitsbedingungen. Oft sei der Druck dort genauso. Der Bericht zu China kennzeichnete China als imperialistisch, machte aber auch deutlich, dass sich nicht alle darüber einig sind, wann der Verrat am Sozialismus stattgefunden habe (z. B. erst um die Jahrtausendwende).

Die Delegation aus Marokko berichtete vom katastrophalen Lohnniveau im Automobilsektor. Die Produktionskosten eines Autos dort lägen bei 90 Euro, während es in Deutschland 2.840 Euro sind. Ein Problem seien bürokratische Gewerkschaften, die die Forderungen und Kämpfe der Arbeiter dämpfen würden.

In Indien haben sich viele große Konzerne wie VW, Tata Motors, Skoda, Mercedes, BMW und Toyota angesiedelt. „Make in India“ wäre überall als Slogan verbreitet. Gewerkschaften gebe es „intern“, also nur für einen Betrieb zuständig und „extern“, sodass sie für eine ganze Branche verantwortlich sind. Besonders in den Zuliefererbetrieben würde viel Druck auf die Gewerkschaften ausgeübt. Der Vertreter aus Indien nannte eine ganze Bandbreite gewerkschaftlicher Forderungen zur Entlastung der Arbeiter von Schulung und Ausbildung für Batterietechnik bis hin zu Organisierung der Zulieferer. Er machte deutlich, dass die Herabsetzung des Lohnniveaus in Indien auch weltweite Standards angreifen würden. Deswegen brauchen wir Gewerkschaften, die international vernetzt sind.

Vom Iran wurde berichtet, dass die Autoindustrie die größte nach Öl sei. Meist siedelten sich ausländische Firmen an zur Montage der Autos. Die Arbeiterorganisationen würden kriminalisiert und das Union-Busting sei weit verbreitet.

Bei typisch indischem Kaffee aus löslichem Kaffee, Milch und viel Zucker fand ein reger Austausch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer statt. Es war deutlich spürbar, wie groß die Suche nach Austausch und internationaler Verbindung ist. Aus der Diskussion der Länderberichte wurde deutlich, dass die Automobilarbeiter weltweit gemeinsame Probleme, Kämpfe und Anliegen haben – wir aber auch die Besonderheiten besser kennenlernen müssen. Es ist ihnen eine Herzensangelegenheit, die Arbeiter weltweit zusammenzubringen, die Kämpfe zu organisieren und wichtige weltpolitische Fragen für die Arbeiterbewegung zu klären.

Am Abend haben wir gemeinsam beim Begrüßungsfest gefeiert. Jede Delegation hat sich kulturvoll eingebracht mit Liedern, Tänzen und Gesang aus Indien, USA, Brasilien, Venezuela, Deutschland, Russland und Südafrika. Am Schluss haben alle zusammen zur indischen Musik getanzt und sich den einen oder anderen Tanzschritt von den Gastgebern abgeguckt.

 

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